Verlegung der ersten Zevener Stolpersteine

Veröffentlicht am: 07.06.2022

Stolperstein© Wolfgang Dörfler Mit der Aktion STOLPERSTEINE - macht der Kölner Künstler Gunter Demnig seit 2003 auf die Schicksale von Opfern des Nationalsozialismus, von Rassenwahn, Intoleranz und Euthanasie aufmerksam. Die 10 x 10 cm großen Betonsteine, welche mit einer Messingtafel versehen sind, werden in öffentliche Gehwege, an dem letzten freigewählten Wohnort der Opfer, bündig eingelassen. Die Eingravierungen mit Informationen zu den jeweiligen Personen dienen der Erinnerung. Herr Demnig verlegt nun die ersten vier Gedenksteine in der Zevener Innenstadt persönlich.

Am Mittwoch, den 15 Juni 2022 beginnt die Verlegung um 14:30 Uhr im Stadtpark mit einer kurzen Begrüßung des stellv. Bürgermeisters Jens Petersen, gefolgt von einführenden Worten durch Luise Del Testa, Leiterin der Abteilung Kultur, Archiv, Museum in Zeven.

Gemeinsam wird dann die erste Verlegestelle in der Mückenburg 21 (Beginn ca. 15 Uhr), der frühere Wohnort der Familie Wolff, besucht. Max und Frieda Wolff emigrierten 1938 mit ihrem ältesten Sohn nach Kolumbien. Dort bekamen sie noch zwei Töchter. 1959 kehrte die Familie nach Zeven zurück. Die Mutter von Max Wolff, Klara Wolff, kam im Vernichtungslager Minsk um.

Im Anschluss werden die Gedenksteine für Familie Erich Neugarten in der Gartenstraße 16 verlegt (Beginn ca. 15:30 Uhr). Erich Neugarten kaufte dieses Haus nach seiner Hochzeit im Jahr 1930. Mit seiner Frau Henny und den beiden Kindern Susi-Renate und Joachim emigrierte er in die USA.

Die dritte Verlegstelle befindet sich in der Langen Straße 15, ehemals Kaufhaus Pape – nun Fitnesstudio Clever Fit (ca. 16:00 Uhr). Die beiden Schwestern Betty und Anna Pape kamen 1933 in die Rotenburger Anstalten. Von dort wurden sie 1941 nach Weilmünster verlegt. Anna wurde dort im November 1941 getötet, Betty im April 1942.

Eine weitere Verlegstelle befindet sich am Haus der heutigen Buchhandlung „Lesezeichen“ in der Langen Straße 36 (ca. 16:30 Uhr). Hier wohnte der Viehhändler und Schlachtermeister Siegfried Neugarten mit seiner zweiten Frau Melitta und der kleinen Tochter Ilse. Die ganze Familie kam in Vernichtungslagern um.

Da diese Stelle die letzte Station der diesjährigen Verlegeaktion bildet, werden hier abschließende Worte von Luise Del Testa gesprochen.

Die einzelnen Verlegungen werden von Peter Vardanian (Violine) und Ilia Bilenko (Piano)musikalisch begleitet. Schüler der Klasse 10F des St. Viti Gymnasiums haben im Vorfeld engagiert zu den Schicksalen der Familien recherchiert und werden die Ergebnisse an den jeweiligen Verlegestellen vortragen.

Bei den angegebenen Zeiten handelt es sich um ungefähre Angaben. Im Laufe der Verlegungen können sich Abweichungen ergeben. Bitte planen Sie plus/minus 15 Minuten ein.

In den Folgejahren werden nun schrittweise weitere Stolpersteine im gesamten Stadtgebiet verlegt. Insgesamt wurden bisher 34 Zevener Opfer identifiziert.